13.08.2026
Verbandsmitteilungen

Kindliches Theologisieren – „Wenn Kinder nach Gott fragen“‎

Kinder denken über die Welt nach, lange bevor sie Worte wie Religion, Glaube oder Theologie kennen. Sie fragen nach dem Warum und Woher, nach Leben, Tod, Glück, Gerechtigkeit – und nach Gott. Diese Form des Nachdenkens hat einen Namen: kindliches Theologisieren. Es beschreibt die natürliche, neugierige und oft erstaunlich tiefgründige Art, mit der Kinder religiöse Fragen erforschen. In den KiTas entstehen dafür Räume, in denen ihre Gedanken ernst genommen werden – ohne fertige Antworten, aber mit Respekt, Staunen und echtem Interesse.

Die „Hallo Gott Runde“ – ein wöchentliches Ritual

In der KiTa St. Maria Magdalena in Bochum hat dieses Nachdenken einen festen Platz: die „Hallo Gott Runde“. Jeden Freitag holt die Religionsbeauftragte Jenny Meurer-Eichhorn ein großes Schild hervor, gestaltet von den Kindern selbst. Darauf: ein Kreuz, ein Schiff, Wasser, eine Taube, ein Mensch – Symbole der Geschichte von Noahs Arche.

Mit diesem Schild zieht sie durch die KiTa und lädt die Kinder ein. Der Treffpunkt ist flexibel: mal der Ruheraum, mal der Schrebergarten, mal der Sandkasten. Denn: Gott ist überall. Das wissen die Kinder längst.

Die Teilnahme an der Austauschrunde ist freiwillig. Wer möchte, kommt dazu. Und dann beginnt ein besonderer Moment: ein geschützter Rahmen, in dem Kinder all ihre Fragen stellen dürfen. Und davon gibt es viele: „Wo lebt Gott?“, „Wie sieht Gott aus?“, „War Jesus eigentlich auch in der KiTa?“, „Geht Gott auch in die Spielefabrik und auf den Spielplatz?“.

Forschen statt fertige Antworten

Statt vorgefertigter Erklärungen gibt es gemeinsames Nachdenken. Meurer-Eichhorn schaut mit den Kindern in Bibelgeschichten, spricht über ihre Vorstellungen und Erfahrungen. Schritt für Schritt entdecken die Kinder: Gott kann überall sein – in ihnen selbst, in der KiTa, im Kino oder auf im Schrebergarten.

Wenn einmal keine spontanen Fragen entstehen, greifen die Kinder zur Schatztruhe: Dort liegen gesammelte Kinderfragen rund um Religion, Glaube und Gott. Immer wieder wird hineingeschaut und nachgespürt, was die Kinder gerade bewegt.

Auch im Alltag der KiTa haben Glaubensfragen ihren Platz. Nach dem pädagogischen Konzept des Situationsansatzes werden Themen aufgegriffen, die Kinder beschäftigen. Die „Hallo Gott Runde“ ergänzt diesen Alltag um eine besondere, bewusst gestaltete Gesprächsrunde.

„Uns geht es darum, den Kindern Zeit und Raum für ihre Fragen zu ermöglichen, aber auch Gott mit der heutigen Zeit in Verbindung zu bringen. Als ganzes Team schauen wir immer wieder, wie Bibelgeschichten, religiöse Feiertage oder Gebete in unseren Alltag passen“, sagt Meurer-Eichhorn.

Kindliches Theologisieren – ernsthaft, kreativ, tiefgründig

Kindliches Theologisieren zeigt, wie intensiv Kinder über die großen Fragen des Lebens nachdenken. Sie entwickeln eigene Bilder von Gott, eigene Antworten – und manchmal neue Fragen. Die KiTa wird dabei zu einem Ort, an dem religiöse Bildung nicht von außen kommt, sondern aus der Perspektive der Kinder wächst.