01.06.2026
Verbandsmitteilungen

Trauer sensibel begleiten ‎

Zum Leben gehört auch der Tod. Deshalb sind Gespräche über Trauer und Verlust Teil des KiTa-Alltags. In speziellen Workshops stärken Mitarbeitende ihre professionelle Haltung im Umgang mit existenziellen Themen, um Kinder und Familien einfühlsam zu begleiten. 

In Bochum kamen Elementarpädagoginnen aus der Pfarrei St. Peter und Paul kürzlich zu einem solchen Workshop zusammen. Gemeinsam mit den ausgebildeten Trauerbegleiterinnen Nicole Back und Dorothee Albers beschäftigten sich die Teilnehmenden mit theoretischem Wissen und praktischen Impulsen, um Kinder und Familien in Schmerz- und Abschiedssituationen zu unterstützen. 

Trauer kennt kein Alter und zeigt sich im KiTa-Alltag in vielen Formen: „Kinder sind traurig, wenn ein Freund umzieht oder in die Schule kommt, wenn ein Angehöriger krank ist oder verreist“, erklärt die KiTa-Leitung Dorothee Albers. Wesentlich sei, dass diese Gefühle Raum bekommen und ernst genommen werden. „Es gibt nicht den einen Weg, um Kinder und Familien in ihrer Trauer zu begleiten,“ ergänzt die Religionspädagogin Nicole Back. „Aber wir wollen im KiTa-Alltag den besten Weg für das jeweilige Kind und die Familien finden.“ 

Zu den erprobten Methoden gehören das Bemalen von Grablichtern oder Hoffnungssteinen, die Kinder als Ausdruck ihrer Gefühle mit nach Hause oder an Orte der Trauer nehmen können. Auch das Herstellen einer Erinnerungssalbe aus Ölen und Glitzerpartikeln – eine sinnliche Methode, die Lieblingsdüfte verstorbener Angehöriger einbindet – wurde im Workshop gemeinsam ausprobiert.

Spirituelle Impulse und fachlicher Austausch

Neben den praktischen Einheiten bot der Workshop Raum für spirituelle Impulse, Austausch und den Umgang mit gezielten Fragen, denen die Teilnehmenden im KiTa-Alltag begegnen: „Tut sterben weh?“, „Wo gehen die Menschen hin, wenn sie Tod sind?“, „Wie sieht der Himmel aus?“ – „Die Beantwortung fällt nicht immer leicht. Wichtig ist, dass diese Fragen ernst genommen werden und gemeinsam mit den Kindern eine Antwort gesucht wird. Sie zum Beispiel nach der eigenen Vorstellung vom Himmel fragen. Als christlicher Träger gibt es da natürlich auch viele Erklärungen und Antworten mit spirituellem Hintergrund“, erklärt Nicole Back. Kinder möchten verstehen, was beim Tod geschieht. Dorothee Albers nutzt dafür einfache, anschauliche Symbole wie einen Handschuh oder Ballon: „Wenn diese Gegenstände gefüllt sind, sind sie voller Leben. Leeren sie sich, bleibt die Hülle – so wie beim Menschen. Die Seele aber bleibt.“

Der Workshop orientiert sich an wissenschaftlichen Empfehlungen. Kinder brauchen laut der Psychotherapeutin Jeanne Chomé altersgerechte Antworten auf ihre Fragen und sollten nicht von Trauersituationen ausgeschlossen werden, weil dies entscheidend für ihre seelische Gesundheit und ihre Fähigkeit zur Bewältigung von Verlusten ist. „Es müssen nicht alle Details genannt werden, aber das, was einem Kind mitgeteilt wird, sollte der Wahrheit entsprechen. Wird nichts erklärt, entstehen unter Umständen Phantasien, die schlimmer und ängstigender sein können, als es die verschwiegene Realität wäre“, heiß es in dem Artikel „Trauererleben, Trauerbewältigung und die professionelle Unterstützung bei Kindern und Jugendlichen“. Erwachsene sollen Betroffene begleiten, trösten und offen auf ihre Gefühle eingehen. 

Deswegen ist auch KiTa-Leiterin Vanessa Armstrong aus der KiTa St. Nikolaus von Flüe dabei: „Der Workshop vermittelt mir Handlungssicherheit für den KiTa-Alltag. Der Blick ist auf das Kind, seine Fragen und Situationen gerichtet. Unsere Aufgabe ist es, so zu begleiten, dass es sich sicher und angenommen fühlen kann.“ 

Die persönliche Dimension von Trauer

Die Inhalte des Tages berühren dabei nicht nur die berufliche Praxis, sondern auch die persönliche Ebene der Teilnehmenden. „Tod und Trauer verdrängen viele sehr gerne“, erklärt Albers. „Im konkreten Umgang mit diesen Themen erinnern sie sich an eigene Verlusterfahrungen. Emotionen kommen hoch, Tränen fließen – und dennoch fühlen sie sich nach dem Workshop gestärkt.“

Zum Leben gehört auch der Tod. Die bewusste Auseinandersetzung mit Abschied und Endlichkeit könne, so Albers, auch den Blick auf das eigene Leben schärfen und dessen Wert neu bewusst machen. Für die pädagogischen Fachkräfte sei die Konfrontation mit dem Thema ein wichtiger Schritt, um Kinder und Familien authentisch begleiten zu können.

Religiöse Verortung im KiTa-Alltag

Die Beschäftigung mit Trauer, Abschied und Hoffnung ist zugleich ein zentraler Bestandteil des katholischen Profils des KiTa Zweckverbandes. Ziel ist es, Kindern einen Zugang zu religiösen Fragen und spirituellen Ausdrucksformen zu ermöglichen und Mitarbeitende in ihrem eigenen Glauben zu stärken.

Die Workshops leisten hierzu einen wichtigen Beitrag: Sie verbinden fachliche Kompetenz, spirituelle Impulse und praktische Methoden, um Kindern und Familien in belastenden Situationen Halt, Orientierung und ein Gefühl von Geborgenheit zu geben.