09.03.2026
Aus den KiTas

Vorbereitung auf Ostern: So gestalten KiTas die Fastenzeit

Die Fastenzeit lädt Christ*innen zu bewusstem Verzicht und innerer Einkehr ein – und prägt ‎zugleich den Alltag in den KiTas des KiTa Zweckverbandes. Zwischen Aschermittwoch und ‎Karsamstag greifen die Einrichtungen diese 40 Tage im Rahmen ihrer religionspädagogischen ‎Arbeit auf und machen die christliche Botschaft für Kinder erfahrbar. Durch Rituale, Geschichten ‎und liturgische Angebote entsteht ein Raum, in dem gelebter Glaube spürbar wird und die ‎Vorbereitung auf Ostern eine kindgerechte, lebendige Form erhält.‎

Essen: KiTa St. Hubertus

In St. Hubertus wurde ein interaktives Fastenprojekt gestartet: Kinder und KiTa-Mitarbeiter*innen ‎haben gemeinsam einen „Fastenfisch“ aus Pappe und buntem Papier gestaltet, dessen Schuppen ‎verschiedene persönliche Fastenwünsche der Kinder tragen. Jeden Tag bis Karfreitag wird eine ‎neue Fastenidee besprochen und diese für einen Tag oder eine ganze Woche in der KiTa ‎umgesetzt. ‎

Auf Wunsch der Kinder wurde zum Beispiel schon auf Bastel- und Spielmaterial verzichtet. Die ‎Kinder brachten alte Kartons von zuhause mit, statt neues Papier zu verwenden.  Weiterhin ‎entschieden die Kinder gemeinsam mit den KiTa-Mitarbeiter*innen, auf welches Spielzeug sie für ‎einen Woche verzichten möchten und räumten es gemeinsam aus dem Regal. „Durch das Fasten ‎auf bestimmte Dinge reflektieren die Kinder ihren Konsum bewusst und lernen dabei auch, ‎nachhaltig mit Ressourcen umzugehen,“ so Sandra Marek, KiTa-Leiterin in St. Hubertus.‎

Oberhausen: KiTa St. Antonius-Klosterhardt

Das Familienzentrum St. Antonius hat sich in der Fastenzeit unter anderem mit den Themen ‎Kinderrechte, Ablehnung und Gemeinschaft beschäftigt. Jede Woche hören die Kinder in einer ‎Wortgottesfeier eine passende biblische Geschichte. Die Erzählungen regen dazu an, über ‎Themen wie Wertschätzung und Respekt sowie den bewussten Umgang miteinander ins Gespräch ‎zu kommen.‎

Zuletzt hörten die Kinder die Geschichte über Bartimäus, einen blinden Bettler, der von Jesus ‎geheilt wurde. Anschließend spielten die Kinder das Gehörte nach: Je ein Kind mit einer ‎Augenbinde wurde von einem sehenden Kind durch den Bewegungsraum der KiTa geführt. Dabei ‎erfuhren die Kinder, wie wichtig gegenseitige Unterstützung und Vertrauen sind.‎

Bochum: KiTa Herz Jesu

‎„Eine Linie ist ein Punkt, der spazieren gegangen ist“: Unter diesem Motto von Maler Paul Klee ‎gestaltet die KiTa Herz Jesu in Bochum-Hamme die Fastenzeit als Zeit des bewussten Wahrnehmens. Dafür ‎wurde das Spielzeug vorübergehend reduziert und stattdessen ziehen sich bunte Klebebandlinien ‎über Fußböden, Türen und Wände im gesamten Haus. ‎

Durch das Material entsteht Raum für Kreativität: Die Linien werden für die Kinder zu Wegen, ‎Grenzen, Brücken oder Balancierpfaden und laden sie ein, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen und ‎eigene Spielideen ohne fertige Vorgaben zu entwickeln. Gleichzeitig bekommt das Vorhandene ‎wieder mehr Bedeutung. Nach der Fastenzeit kehrt das Spielzeug schrittweise wieder zurück und lässt die ‎Kinder neu entdecken, wie wertvoll Vertrautes sein kann.‎

Oberhausen: KiTa St. Josef

In der KiTa St. Josef wurde sich der Fastenzeit auf interreligiöse Weise genähert: Gemeinsam mit ‎der Religionsfachkraft der Einrichtung und einer aus Syrien stammenden KiTa-Mutter erlebten die ‎Kinder einen religiösen Impuls zur christlichen Fastenzeit und zum muslimischen Fastenmonat ‎Ramadan, die in diesem Jahr gleichzeitig stattfinden.‎

Zunächst betrachteten die Kinder verschiedene muslimische Symbole und erfuhren mehr über ihre ‎Bedeutung. Dazu gehörte zum Beispiel der Halbmond, der eine zentrale Rolle im islamischen Jahr ‎spielt. Bei dem Impuls lernten die Kinder auch mehr über die Gemeinsamkeiten von Islam und ‎Christentum: Viele Rituale, Feste und Prinzipien sind in beiden Religionen ähnlich, wie etwa das ‎Fasten oder das Schmücken von Häusern zu besonderen Feiertagen. Anschließend konnten die ‎Kinder das traditionelle Fastenbrechen im Ramadan nachempfinden: Sie aßen zusammen Datteln ‎und tranken Wasser.‎

KiTa-Kindern einen Zugang zu Religion und religiösem Leben zu ermöglichen, entspricht dem ‎katholischen Profil des KiTa Zweckverbandes. In den katholischen Kindertageseinrichtungen ‎werden Religionen und Feste verschiedener Glaubensrichtungen thematisiert. Dabei gehen die ‎pädagogischen Fachkräfte auf die unterschiedlichen Religionen einzelner Familien ein. Die Kinder ‎und Familien erleben, dass sie und ihre Religion wichtig sind. Gleichzeitig erfahren alle KiTa-Kinder, ‎wie vielfältig die Welt ist. So wird bereits in der frühkindlichen Bildung der Grundstein für Toleranz ‎und ein friedliches Zusammenleben gelegt. ‎

Gelsenkirchen: KiTa St. Michael

In der Fastenzeit begeben sich die Kinder der KiTa St. Michael auf eine besondere ‎Entdeckungsreise: Gemeinsam mit dem Chamäleonvogel hören sie Geschichten aus dem ‎Leben Jesu bis Ostern und setzen sich in Gesprächen, Spielen und kreativen Aktionen mit ‎ihnen auseinander.‎

Dabei begegnen sie nicht nur den schönen Momenten, sondern auch den traurigen und ‎schweren Teilen der Geschichte. Die bunten Federn des Chamäleonvogels begleiten die ‎Erzählungen dabei als Symbol: In hoffnungsvollen Momenten leuchten sie in bunten Farben, ‎bei traurigen Ereignissen verlieren sie ihre Farbe – bis sie in der Osternacht durch Hoffnung ‎und neues Leben wieder neu aufleuchten. ‎

Am Herzensort der KiTa werden die besprochenen Szenen aus den Geschichten gemeinsam ‎gestaltet und für Kinder und KiTa-Familien sichtbar gemacht. So erleben die Kinder die ‎Fastenzeit als eine Zeit des gemeinsamen Nachdenkens, des Staunens und der Hoffnung.  ‎

Bottrop: KiTa St. Franziskus 

In der Fastenzeit beschäftigen sich die Kinder der KiTa St. Franziskus mit der Frage, was ‎Fasten bedeutet und wie sie mithilfe ihrer Sinne – Riechen, Schmecken, Fühlen, Sehen und ‎Hören – die Welt bewusster wahrnehmen können. Einmal pro Woche treffen sich alle ‎Gruppen am Herzensort der KiTa, um dort mehr über einen neuen Sinn zu erfahren und eine ‎passende Aktion umzusetzen. Zuletzt stand der Sinn „Fühlen“ im Mittelpunkt: Die Kinder ‎versuchten zunächst, Gegenstände mit geschlossenen Augen zu ertasten – was für einige gar ‎nicht so einfach war. ‎

Aus dieser Erfahrung entstand die Idee, einen Tastkasten zu bauen. Die Kinder gestalteten ‎gemeinsam mit den pädagogischen Fachkräften einen Karton, durch den sie verschiedene ‎Spielzeugfiguren, -autos oder Bausteine ertasten konnten, ohne sie zu sehen. Anschließend ‎suchten sie die passenden Dinge aus einer Schale heraus und überprüften, ob ihre ‎Vermutung stimmte. Durch die Auseinandersetzung mit ihren Sinnen lernen die Kinder, sich ‎auf einzelne Dinge zu konzentrieren und diese bewusst wahrzunehmen.‎